Lesen wird digital. Und das betrifft nicht nur Bücher sondern ebenfalls Comic.
Wir lassen die Experimente und Versuche Comics und Internet zu verbinden (z.B. Scott McClouds Zot!) und konzentrieren uns auf mögliche Datenformate und Lesegeräte.
Dateiformate
Comics sind ja eigentlich nichts weiter als Bilder. Der erste Schritt um einen Comic digital verfügbar zu machen besteht also darin, die Bildinformationen digital vorzuhalten. Entweder scannt man den Comic ein oder stellt ihn von Anfang an digital her.
Wenn die Bilddateien am PC vorliegen, stellt sich die Frage, in was für einem Dateiformat man den Comic dem Leser zur Verfügung stellen will. (Die Frage nach dem Bildformat, also ob z.B. als Jpeg- oder Gif-Bild interessiert hier nicht.)
Neben allgemeinen Formaten für Dokumente (z.B. PDF-Dateien, Textverarbeitungsdokumente oder HTML-Seiten) gibt es noch eine Reihe andere Dateiformate, die für Comics in Frage kommen.
Beispiele für die (meines Erachtens) wichtigsten Formate gibt bei www.archive.org, und zwar Futuristic Tales of here and now von Cory Doctorow (herausgegeben von IDW).
PDF-Dateien
PDF-Dateien haben den Vorteil, dass sei ein exaktes Abbild eines “gedruckten” Produktes ermöglichen; und PDFs fallen eigentlich im Produktionsprozess bei Verlagen ab, da die Druckdateien als PDF zur Druckerei kommen. Klar, die Dateien müssten bezüglich Dateigrösse noch für das Web/den Vertrieb optimiert werden. Für eigentlich alle denkbaren Betriebssystemvarianten gibt es entsprechende Reader-Software. DRM ist möglich, wird aber von den wenigstens Readern unterstützt.
“Futuristic Tales of Here and Now” ist als PDF verfügbar.
Textverarbeitungsdokumente
Man kann die Bilder eines Comics auch als Textverarbeitungsdatei publizieren, z.B. im Word-Format. Bedingt, dass der Leser eine Software hat, die das entsprechende Format versteht. DRM ist nicht wirklich umsetzbar.
Dateiarchive
In dieser Variante packt man die Bilder des Comics z.B. in eine ZIP-Datei und verteilt diese. Der Leser entpackt die Datei und betrachtet die Bilder mit einer Bildbetrachtungssoftware.
“Futuristic Tales of Here and Now” ist als ZIP-Datei verfügbar.
Flash
Die Comicseiten werden als Flash-Anwendung realisiert. Damit lässt sich das Look-and-Feel eines Comics (Umblättern, etc) abbilden. Eignet sich besonders um Comics zum online Lesen zur Verfügung zu stellen. DRM ist nicht wirklich vorgesehen, aber das Abspeichern der Bilder wird wegen Flash erschwert. Varianten zum offline Lesen sind nicht vorgesehen.
Marvel bietet zwischenzeitlich 5000 Comics aus ihrem Archiv kostenpflichtig als Flash-Version an. Anmeldung und Beispiel bei Marvel Digital Comics Unlimited.
HTML
Hier werden die Seiten des Comics als einzelne Webseiten aufbereitet und mit einer einfachen Navigation verknüpft. Beispiele finden sich bei Splashcomics.de.
In diesem Bereich (und auch bei den Flash-Comics) gibt es Experimente die seitenorientierte Erzählweise zu verlassen und sie der Technologie anzupassen. Scott McCloud hat einige Experimente in dieser Richtung gemacht (Webcomics bei Scott McCloud).
CBR/CBZ
Bei diesem Format handelt sich eigentlich um Archivdateien, die lediglich eine ander Endung erhalten haben. Für CBZ-Dateien wird die Endung von ZIP-Archiven von ZIP auf CBZ geändert. Dies hat den Vorteil, dass die Dateien mit einem Bildbetrachter verknüpft werden können. CBZ/CBZ-Dateien sind das am weitest verbreitete Format für Comics.
CBI (ComicZeal)
CBI-Dateien sind das Format des ComicZeal-Readers für das IPhone. Sie können mit der gratis erhältlichen Software ComicZeal Sync erstellt werden. Inhaltlich handelt sich bei dem Format um SQLite-Datenbanken, wobei die (für das IPhone optimierte) Bilddateien als BLOBS gespeichert werden. (ComicZeal Sync bei ComicZeal.)
MGA/WMGA (Manga Reader)
MGA und WMGA sind die Dateiformate für den Manga Reader. Bei MGA-Daeien handelt es sich dabei um ZIP-Dateien die neben den Bilddateien noch weitere Informationen zum Manga beinhalten. WMGA-Dateien beinhalten keine Bilddateien sondern lediglich URLs die auf die Bilder verweisen.
LBX (Longbox)
LBX-Dateien sind das Dateiformat für die schon länger angekündigte Software von Longbox Digital, nach eigenen Aussagen iTunes für Comic.
Detailierte Informationen sind im Moment noch nicht bekannt.
ePub
ePub ist der offene Standard für elektronische Bücher. Er erlaubt auch das anzeigen und Einbinden von Bildern und sieht die Möglichkeit vor DRM zu implementieren. Er wird gepflegt vom International Digital Publishing Forum.
Software
Zum Lesen von digitalen Comics ist eine Software notwendig, die das entsprechende Dateiformat versteht.
Für die allgemeinen Dateiformate wie PDF, Textverabeitungsdokumente, HTML- und Flashdateien gibt es eine vielzahl von Software die die Dokumente angezeigen können (Adobe PDF Reader, OpenOffice, Firefox).
Für CBR/CBZ-Dateien gibt es eine Reihe spezialisierter Software, die Comics direkt anzeigen können, z.B. CBViewer für Windows oder Jomic für den Mac.
Das gilt auch für ePub-Dateien, hier existieren z.B. Calibre oder Stanza.
Für andere Dateiformate ist spezielle Reader-Software notwendig. So Unterstützt zur Zeit nur der Manga Reader die Dateiformate MGA/WMGA und CBI ist an ComicZeal und das iPhone/den iPod Touch gebunden.
Lesegeräte
Als Lesegeräte kommt eigentlich jeder Computer im weiteren Sinne in Frage, solange er über einen Bildschirm verfügt oder sich an einen anschliessen lässt und die passende Software verfügbar ist. Trotzdem gibt es ein paar Punkte die man beachten sollte.
Desktop PC
Mit der geeigneten Software kann durchaus Comics am Desktop PC lesen. Aber seien wir ehrlich, wieviel Spass macht das schon. Ausser einem Bildschirm mit genug grosser Auflösung sind die technischen Voraussetzung eher gering, da das Darstellen der Bilder wenig Rechenleistung benötigt.
Notebook/Netbook
Notebook eignen sich schon besser. Man es sich mit ihnen auf dem Sofa gemütlich machen. Auch hier ist vorallem die Bildschirmauflösung und -grösse ausschlaggebend. Wenn der Bildschirm zu klein ist, kann eine Seite nicht mehr ganz angezeigt werden oder wenn dann ist die Schrift nur schwer zu entziffern. Abhilfe schafft hier zum Teil, wenn man die Bildanzeige um 90 Grad dreht und das Gerät hochkant verwendet.
Mobiltelefone und ähnliches
Aktuelle Smartphones kommen mit einem Farbdisplay daher und meist gibt es auch Software die zumindest mit CBZ/CBR-Dateien umgehen kann. Das Hauptproblem hier ist häufig die Displaygrösse und Batterielebensdauer. Für Comics im typischen Mangaformat reichen die Displays häufig gerade so, für Comic im Heftchenformat sind sie etwas zu klein und für Alben zu klein (ausser man nimmt Zoomen und Scrollen in Kauf). Man kann natürlich auch einen iPod touch oder ein iPad verwenden.
E-Reader
Speziealisierte E-Reader um elektronische Bücher zu lesen haben primär einen gravierenden Nachteil: Das Display stellt nur Graustufen dar. Von der Displaygrösse eignen sie sich vorallem für Comics im Mangaformat, bei grösseren Formaten stösst man schnell an die Grenzen, insbesondere durch den langsamen Seitenaufbau und der fehlenden Möglichkeit flüssig zu scrollen. Dies kann sich allerdings bei kommenden Generationen ändern.
